Münsterland Giro: Chris Mai krönt 100-Kilometer-Flucht mit dem Sieg

Die Saison endet für das Team Strassacker mit einem Paukenschlag: Chris Mai gewinnt in Münster als Solist nach 130 schnellen Kilometern durch Teutoburger Wald und Münsterland. Trotz Defektpech reicht es am Ende auch noch zum dritten Platz in der Teamwertung.

Tief über den Lenker gebeugt, den Blick nach unten gerichtet, sitzt Chris Mai auf seiner Rennmaschine und gibt alles, was er hat. In möglichst aerodynamischer Position wehrt er sich nach Kräften gegen den Gegenwind, die Müdigkeit und das herannahende Feld hinter ihm. 20 Sekunden sind ihm noch geblieben an Vorsprung und es sind immer noch 15 Kilometer bis ins Ziel. Auf der langen Geraden von den Rieselfeldern im Norden Münsters zurück in die Stadt ist er immer in Sichtweite des Pelotons und ist doch nicht einzuholen. Mit erhobenen Armen stürmt er vor dem Münsteraner Schloss über die Ziellinie – vielleicht noch 100 Meter vor den Verfolgern. Punktlandung.

„Unglaublich, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie mich noch einholen. Aber ich habe alles gegeben und es hat gereicht“, freute sich Chris Mai über seinen Solosieg im Ziel. Wie schon bei der Deutschland Tour in Erfurt war er von der geballten Konkurrenz nicht zu schlagen. Der Triumph in Münster geht aber ohne Zweifel als einer der außergewöhnlichsten in die lange Teamgeschichte ein.

Vorentscheidung auf dem Feldweg
Begonnen hatte das Rennen mit einer Tempojagd. Das Team Leeze spannte sich wie schon beim ProAm in Hannover mit mehreren Fahrern vor das Feld und sorgte für einen Schnitt von 46 Km/h in der ersten Rennstunde. Joscha Weber und Gastfahrer Dominique Jansing lösten sich kurzzeitig mit kleinen Gruppen vom Feld, wurden aber schnell wieder eingeholt. Bei Kilometer 33 sah das anders aus: Bei einsetzendem Regen ging es auf einen schmalen Feldweg und eine neunköpfige Spitzengruppe löste sich vom Feld. Mit dabei: Christian Thomas und Chris Mai, sowie drei Fahrer des Teams Leeze und zwei Fahrer von MTS Triebwerk. Es fehlte das Team DKS um den im German Cycling Cup nach Streichergebnissen virtuell führenden Anthony Spysschaert.

Damit war das Drehbuch für den weiteren Verlauf des Rennens vorgegeben: An der Spitze gaben die Ausreißer alles, um ihren Vorsprung auszubauen, während dahinter das Team Deutsche Kinderkrebsstiftung alles probierte, um die Spitzenreiter wieder einzuholen. An den Anstiegen des Teutoburger Waldes verkleinerte sich sowohl die Spitzengruppe als auch das Verfolgerfeld deutlich. Während das Team Strassacker im Feld Lukas Klöckner mit einem Reifenschaden verlor, jagten an der Spitze Christian Thomas und Chris Mai sowie Patrick Altefrohne, Daniel Westmattelmann sowie der Träger des Gelben Trikots, Moritz Stähle, zu fünft dem Ziel entgegen. Ein Defekt bei Westmattelmann gepaart mit einer Unachtsamkeit von Thomas führte 30 Kilometer vor dem Ziel zu einem Crash der beiden, wobei glücklicherweise niemand zu Sturz kam, beide zerstörten dabei aber ihre Laufräder. Die Spitze schmolz also zu einem Trio zusammen.

Chris Mai mit unglaublichem Solo
Dahinter störten weiter Jannik Wüster, Dominique Jansing und Joscha Weber sowie die Leeze-Fahrer die Nachführarbeit im Feld – bis auch Stähle und Altefrohne entkräftet aus der Spitzengruppe platzten. Es blieb rund 20 Kilometer vor dem Ziel also nur noch Chris Mai in Führung. Wie er sich dann alleine im auffrischenden Wind bis ins Ziel rettete, verdient größten Respekt. „Herzlichen Glückwunsch an Chris, eine ganz starke Leistung. Er hat eine tolle Entwicklung genommen, wir sind sehr stolz auf ihn“, lobte Teamchef Franco Adamo seinen Schützling. Im Sprint des Feldes wurde Joscha Weber 7. , Dominique Jansing kam auf einen guten 27. Platz und Jannik Wüster wurde 38ter – in der Mannschaftswertung bedeutete dies den 3. Platz hinter Team DKS und Team Leeze.

Damit endet eine erfolgreiche Saison für das Team Strassacker, das im November beim Teamtreffen über neue Herausforderungen und Ziele für die Saison 2020 entscheiden wird.


Folgende Fotos von Markus Stera


Ergebnisse des Sparkassen Münsterland Giro 2019 // Cup der LBS:
1. Christoph Mai
2. Benjamin Ahrendt (MTS – Triebwerk Cycling)
3. Peter Raue (Leeze Team by tinteistbesser.de)


7. Joscha Weber
27. Dominique Jansing
38. Jannik Wüster
74. Marco Schuchert

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