Engadin Radmarathon endet mit Sieg von Holger Koopmann

Kurzdistanz 97 km – 1325 hm:

Allen Umständen zum Trotz

Eigentlich ist es nie eine gute Idee Richtung Alpen aufzubrechen, wenn im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW und noch dazu in Teilen der Niederlande die Ferien beginnen. Doch was soll man machen, wenn an eben diesem Wochenende das 2. Rennen des Alpencup 2012 ansteht.

So verbrachte das Team an diesem Wochenende sehr viel Zeit im Auto UND auf dem Rad. Nachdem man die Wohnwagenschlangen am Fernpaß hinter sich gebracht und im äußerten Schweizer Winkel in Zernez, im Kanton Graubünden, eingefunden hatte, wurden abends noch einmal Teile der Strecke besichtigt um am nächsten Morgen ein Gefühl für den ersten Anstieg, der direkt nach 700 m beginnt, und die etwas kniffelige Zielankunft zu bekommen.

Seit diesem Jahr gibt es in der Schweiz eine neue Regelung, die die Anzahl der Starter bei einem Radmarathon bzw. Radrennen auf max. 1.500 Teilnehmer beschränkt. Hatte der „Dreiländergiro“ vor wenigen Wochen bereits unliebsame Erfahrungen mit dieser neuen Regelung sammeln dürfen, so kam dem „Engadiner“ die Schlechtwetterprognose entgegen und man blieb bei den Teilnehmerzahlen innerhalb der Obergrenze. Zusammen mit den anderen knapp 1.300 Startern machten wir uns um 07:00 h auf den Weg für die Renndistanzen über 97 bzw. 211 km.

Wie schon erwähnt ging es mit Kaltstart in den ersten Anstieg Richtung Ofenpass. Gut 3,7 km geht es bergauf, bevor ab Ova Spin eine Abfahrt zum Punt la Drossa erfolgt, wo es links weiter und hinauf zum Ofenpass geht, der „Engadiner“ jedoch rechts in den 3,5 km langen Tunnel „Munt la Schera“ abbiegt um direkt nach Italien zu kommen.

Nach Ova Spin hinauf zog sich das Feld direkt auseinander und vorne machte sich direkt ein einzelner Fahrer auf den Weg einer langen Soloflucht. Dahinter sammelte sich eine ca. 30 Mann starke Gruppe in der auch unser Günter vertreten war. Auch Holger kam gut über den Berg und im Tunnel hatten sich vorne dann gut 60 Fahrer versammelt. Unsere Langstreckler ließen es ein wenig ruhiger angehen, lagen vor ihnen doch schließlich noch weitere 113 km und 2.500 hm über den Flüela- und Albulapass, wenn die Fahrer der Kurzdistanz bereits die Ziellinie überfuhren.

Am Lago Livigno entlang bis Livigno hinein konnten weitere Fahrer (darunter unsere Langstreckler) von hinten aufschließen, so dass ca. 150 Fahrer in den zweiten Anstieg, den Forcolapass (ca. 5 km mit 350 hm), starteten. Das Tempo wurde von den üblichen Verdächtigen (Paul Lindner, Andreas Ortner, Klaus Steinkeller etc.) vorne konstant hoch gehalten, so dass sich die Gruppe mehr und mehr ausdünnte. Auf der Passhöhe waren noch ca. 50 Fahrer zusammen. Holger wollte jedes Risiko vermeiden und ging als Erster in die 3,5 km lange Abfahrt, die übergangslos in den 3 km Anstieg (ca. 250 hm) zum Berninapass übergeht.

Dieser 3. Anstieg machte einigen Fahrern doch mehr zu schaffen als gedacht und so verloren Holger und Günter den Anschluss an die Spitzengruppe und gingen mit gut einer Minute Rückstand in zwei getrennten Kleingruppen in die Abfahrt. Dahinter folgten die weiteren Teamfahrer.

Da der „Engadiner“, wie die meisten Radmarathons im öffentlichen Straßenverkehr durchgeführt wird (was immer wieder zu brenzligen Situationen mit Autofahrern führt – hier sei einmal an die Vernunft einiger waghalsiger Radkollegen appeliert!) gelten gerade in der Schweiz einige, für ein Radrennen ungewöhnliche, Regelungen. So gab es auf der Strecke eine Baustelle, an der es für diesen Sonntag von den Behörden wohl keine Genehmigung zur Regelung des Verkehrs gab, was dazu führte, dass die Fahrer bei roter Ampel halten mussten. Davon waren auch Holger und Günter betroffen, die sich nur noch 50 m hinter der Spitzengruppe befunden hatten, und nun gut 2 Minuten aufgehalten wurden, während von hinten etliche Fahrer den Anschluss fanden.

Mit gut 30 Fahrern ging es auf die verbleibenden 33 km nach Zernez. Es wurde zwar Tempo gemacht, die Aussicht die Spitzengruppe einzuholen war jedoch gleich Null. Doch nach gut 10 km tauchte eine Gruppe Fahrer am Horizont auf und man näherte sich schnell einem weiteren, gut 30 Fahrer starken Feld. Die Teilnehmer der Kurzdistanz hatten es in dieser Gruppe nicht geschafft das Tempo hochzuhalten und so kam es zum Zusammenschluss.

In der Folge zog das Tempo deutlich an und es deutete sich ein gefährlicher Massensprint an, wobei in diesem unübersichtlichen Fahrerfeld nie klar ist, wer für einen Sieg auf der Kurzdistanz sprintet und wer auf der Langdistanz weiterfährt, vielleicht aber doch für einen Teamkollegen den Sprint anzieht.

Kurz vor Zernez orientierten sich Holger und Günter nach vorne im Feld. Gut 1.200 m vor dem Ziel wurde das Tempo von Martin Fritz vom Team Bike Point Innsbruck noch einmal deutlich verschärft. Holger ging direkt dahinter an Position zwei in Lauerstellung. Da es ca. 400 m vor dem Ziel eine Straßenverengung gibt und die Straße anschließend bis zum Ziel sehr kurvig verläuft, ist das Klassement an dieser Verengung in der Regel gemacht. 200 m vor der Verengung fährt man über eine kleine Brücke und an dieser Stelle wollte Holger zum Sprint ansetzen. Ihm kamen jedoch Armin Neurauter von Union Sporthütte und die Covi-Brüder vom Steiner Cycling Team zuvor. Holger wollte direkt ans Hinterrad von Neurauter springen, die Covi Brüder verließen jedoch ihre Fahrlinie und schnitten Holger, der daraufhin rausnehmen musste und anschließend genug damit zu tun hatte seine Position zu halten.

Dahinter war Günter ein wenig eingeklemmt und hielt sich aus dem Gröbsten raus. Eine gute Entscheidung, denn vor ihm kam es noch zu einem schweren Sturz, den Günter jedoch umfahren konnte und auf Platz 16. ins Ziel kam. Holger wurde im Sprint 5. und Gesamt 6., denn vorne hatte es Emanuel Nösig vom Team Union Sporthütte mit seiner Solofahrt tatsächlich geschafft. Acht Minuten Vorsprung hatte er alleine auf das Feld herausgefahren. Eine tolle Leistung – Chapeau!

Holger konnte seine Alterklasse (AK Masters) gewinnen, während Günter das Podium nur denkbar knapp verfehlte.

Philippe Deckers komplettierte als 3. Fahrer die Teamwertung und mit einer tollen Leistung sicherte man sich den 3. Platz auf der Kurzdistanz.

Langdistanz 211 km – 3827 hm:

Starke Leistung von Caroline

Nach einem sehr lustigen Samstagabend, der auch gut zu einem Muskelkater in der Bauchmuskulatur hätte führen können, standen wir am Sonntag mit 20 Minuten vor sieben schon recht früh im Startblock. Aufgrund der wenigen flachen Meter vor dem Ofenpass wollten wir möglichst weit vorne starten, um die schnellen Gruppen nicht zu verpassen.

Während Krysztof sich immer in den vorderen Gruppen aufhielt, fuhren Daniel und Philip ab dem Forcolapass ihr Tempo, um nicht wieder wie beim Amadé-Radmarathon am letzten Berg einzubrechen. Nach dem Berninapass konnte Daniel mit einer starken Gruppe wieder zu Krysztof aufschließen, während Philip leider an der Ampel in der Abfahrt eine Zwangspause einlegen musste. Nach der Rotphase hatte sich dann aber eine schöne Gruppe zusammen gefunden, in der
Philippe von der kurzen Strecke für sehr hohes Tempo nach Zernez sorgte. Pünktlich am Ortsschild von Zernez kamen dann die ersten Regentropfen. Auf dem Weg zum Flüelapass öffnete der schweizer Himmel dann leider endgültig alle ihm verfügbaren Schleusen und drehte das Thermostat nach links. Der moralische K.O. für Daniel und Philip konnte lediglich dadurch verhindert werden, dass Daniel seinerseits im Anstieg an einer roten Ampel warten musste und Philip so wieder von hinten aufschließen konnte.

Während man sich den Regen im Anstieg noch mit angenehmer Kühlung schön reden konnte, führte er in der Abfahrt zu Zähneklappern und dem Gefühl demnächst einem Krampf zum Opfer zu fallen. So waren die meisten wahrscheinlich sogar froh, als der Anstieg zum Albulapass dann begann und die Muskulatur langsam wieder auf Betriebstemperatur gebracht werden konnte. Die Vorbelastungen der anderen Pässe führte dazu, dass sich am Berg nur Einzelkämpfer und Zweiergruppen bildeten. Für Daniel und Philip zahlte sich hier die kraftsparende Fahrweise aus. So konnten sie mit den Abschnittszeiten 21 bzw. 11 noch einige Plätze aufholen.

Krysztof erlitt im vorderen Bereich liegend leider 5km vor dem Gipfel einen Einbruch, der mit Blick auf eine herausragende Transalp nur zu verständlich ist. In der Abfahrt vom Albula formierte sich bei andrenalingetriebenem Tempo eine Vier-Mann-Gruppe um Philip, die auf dem Weg nach Zernez noch einige Fahrer (unter anderem Krysztof) auffahren konnte. Daniel musste am Albulapass leider reißen lassen, verlor aber mit einem Kraftakt nur ca. 3min auf die schnelle Gruppe von Philip, obwohl er die meiste Zeit im Wind fahren musste.

Die guten Platzierungen der Kämpfer über die lange Strecke führten dann schließlich zu einem weiteren Podestplatz für das Team Strassacker.

Unsere Caroline durfte sogar noch ein Stockerlplatz weiter nach oben klettern. Mit einer ganz starken Leistung wurde sie zweite in ihrem bisher längsten Rennen. Als fünfter Fahrer über die lange Strecke kämpfte sich Frank Keller als super 23. (AK, 83. Gesamt) in Ziel.

Großen Anteil an den gezeigten Leistungen hatte die professionelle Verpflegung von Krysztofs Vater, sowie aus dem Teambus am Albula.

Da fühlte man sich ein wenig wie ein Profi 🙂

Autor: Holger Koopmann

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