Plettenberg

Stylische Shorts statt enger Lycra beim Plettenberger MTB-Marathon

Am Vorabend stelle ich ein wenig spät fest, dass ich morgens schon um 9:00 Uhr in Plettenberg starten müsste. Hektische Vorabendrennstimmung … und ab ins Bett.

Im Niesel-Nebel in Plettenberg halte ich das Einrollen kurz, möchte ich mich doch lieber rechtzeitig in den Block stellen. Warmfahren kann man sich auch noch unterwegs.

Hier ist aber alles entspannter: unruhig werde ich um 9:02 Uhr, als immer noch vom Moderator geplappert wird … ganz ungewohnt; auch die Outfits: stylische  Shorts statt enger Lycra.

Naja, in der kurzen Rollphase bis zum ersten innerstädtischen Berg, der von wahnsinnig vielen Zuschauermassen belagert wird, hab‘ ich dann auch die Lycra-Spitze gefunden.

Das MTB hatte ich seit dem Wintertraining nur diese Woche mal Probe gefahren. Die Pause war seit dem Kellerwaldmarathon, zu Beginn der Saison, bei dem ich wegen Krankheit nicht starten konnte. Im steilen ersten Anstieg auf Asphalt fällt mir der Umstieg vom RR aufs MTB nicht so auf. Viele keuchen schon ein wenig, die anfeuernden Zuschauer der Hammer – und ja – steil ist es auch. Spannend, wie schnell aus so einem großen Starterfeld eine übersichtliche Gruppe wird: acht oder zehn Mann, an denen ich einmal der Reihe nach vorbeifahren muss, um zu prüfen, wer hier überhaupt Langdistanz fährt: am zweiten langen Berg sehe ich incl. mir nur drei der Langdistanz.

Hoppla, Lukas Müller fehlt, dann nur noch Bas Peters (NL) mit auf der langen Runde?!? Ich fahre im Gegensatz zum Rennrad ohne Watt (nur nach Laune) in der Gruppe, die außer Peters nur aus Fahrern der Mitteldistanz besteht (Alexander Rebs, Marcel Reiser, Fabio Neumann, Stefan Mosch). Die ersten beiden Berge habe ich das Tempo mitbestimmt, aber es bleiben ja noch 75 km. Im Flachstück von km 20 bis 30 rolle ich nur mit.

Bei so vielen Mitteldistanzlern sehe ich hier keine Aufgabe in der Führung; frage mich warum insbesondere Fabio hinter jeder Kurve und an jedem Hügelchen antritt wie beim XC-Rennen, liegt wohl an den Plettenbergern, die den Local an jeder Ortsdurchfahrt feiern.

Der folgende (längste) Anstieg bringt Ruhe in die Meute: die Mitteldistanzler verabschieden sich der Reihe nach nach hinten bis auf Marcel Reiser. Mit Bas Peters sind wir zu dritt. Ich mach mir Sorgen, dass mir Bas davonfährt und mir unterwegs öde wird.

Meine Vermutung, das Bas bärenstark ist, bestätigt Marcel Reiser mit glaubwürdigem Wissen (Top 3 NL). Das Bas uns nach seiner Pinkelpause umgehend wieder einholt besiegelt das wohl.

Essen, bergrunter, trinken, Arme ausschütteln vom ungewohnten Lenker, über Matsch schimpfen und schlingern, heimlich etwas Tempo rausnehmen … unterwegs immer wieder begeisterte P-Weg-unterstützende Zuschauer: der Hammer! Und schon sind wir kurz vor der Streckenteilung. Marcel Reiser möcht uns kurz vorher auch nicht mehr folgen.

Auf den nächsten Kilometern versuche ich Bas in Smalltalk zu verwickeln, damit ich mich erholen kann und an den folgenden Bergen vielleicht  noch mitkomme. Es klappt, aber Aussichten hab ich keine.

In der steinig-bösen Abfahrt, die mir letztes Jahr einen Platten beschert und mich das Altersklassentreppchen gekostet hat, fahre ich deutlich langsamer, kann aber die folgenden zwölf Minuten  zu Bas aufschließen.  In der Hoffnung, dass alle „Informationen“ unwahr seien und er vielleicht doch etwas langsamer wird, geh ich am Berg ab km 78 (letzter längerer Anstieg vor dem Ziel) nochmal in die Führung und setze mein geplantes hartes Training um … naja … Schnaufen tut der Holländer nicht wirklich; an den nächsten kleineren Wellen drückt auch er mächtig aufs Gas.

So gute Motivation gibt’s im Solotraining nicht: also beißen. Die letzten wirklich fies steilen Rampen hoch geb ich auch nochmal alles, aber es ist eine zu viel, an den letzten Höhenmetern vor der finalen Singletrail-Abfahrt runter nach Plettenberg verabschiede ich mich vom Niederländer. Bis hierhin war es sehr kurzweilig und unterhaltsam mit dem Mitfahrer. Danke für die Abwechslung & Motivation! Soweit vorne zu landen hätte ich sowieso nicht erwartet.

Ausrollen und heil ankommen: Mission erfüllt. Die Volksfeststimmung in Plettenberg ist der Wahnsinn!! Keine halbe Minute hinter Peters freue ich mich über mein bestes (& v.a. pannenfreies)-MTB-Ergebnis, den 2. Platz Gesamt & Altersklasse.

Autor: Florian Vrecko

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Bildnachweise: © Christian Siepmann, Martin Ratter

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