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Ötztaler Radmarathon: Ein Kampf mit den Elementen

Er ist so etwas wie die inoffizielle WM der Hobby- und Amateur-Radsportler: Der Ötztaler Radmarathon. In diesem Jahr machte das Wetter den „Ötzi“ zu einem epischen Rennen: Regen, Kälte und Nebel verwandeltem den Marathon in ein archaisches Spektakel – mit starken Resultaten für das Team Strassacker.

Wie aus dem Nichts stehen da zwei Kühe. Zwei ziemlich stattliche Viecher mit großen Hörnern und beachtlichem Körperumfang sind im dichten Nebel aufgetaucht und versperren uns den Weg. Sie blicken uns an und bleiben gemütlich in der Mitte der Fahrbahn stehen. Wir bremsen ab und überlegen, wo wir jetzt an den beiden Bergbewohnern vorbeifahren sollen. Hier oben auf dem Kühtai haben Kühe Vorrang, besagt eine Verordnung des österreichischen Rechts von 1965. Wir müssen also warten. Zum Glück bewegen sich die beiden langsam von der Straße und unsere Gruppe kann die Fahrt hinauf zum Kühtaisattel fortsetzen. Die tierische Begegnung sollte nur eine von vielen Hürden an diesem Tag bleiben.

Schon auf der Abfahrt hinab ins Tal nach Innsbruck wird es brenzlig: Regen, Nebel, nasse Fahrbahn und klamme Finger machen die Fahrt zum riskanten Blindflug. An sonst hier übliche Spitzengeschwindigkeiten von jenseits der 100 km/h ist nicht zu denken. Trotz der widrigen Bedingungen haben sich Florian Vrecko, Nils Kessler und Chris Mai in den vorderen Positionen festgesetzt, gehen von Innsbruck aus in einer aussichtsreichen Gruppe in den langen Anstieg zum Brennerpass.

Derweil ist für zwei andere Strassacker-Athleten das Rennen bereits beendet: Jan Münch wird durch einen Sturz vor ihm auf der Abfahrt hinab nach Ötz ausgebremst, sein Rad stark beschädigt. Und Caspar Rüter muss im Kühtai einsehen, dass mit einer Erkältung kein Ötztaler möglich ist. Bevor er das Rennen aufgibt, repariert er jedoch noch die Schaltung von Joscha Weber, der sich am Einstieg des Kühtai-Anstiegs unfreiwillig lang gemacht hatte – echtes Teamwork.

An der Spitze muss Chris Mai am Jaufen bei weiter kühlen Temperaturen reißen lassen. „Dort bin ich mal wieder traditionell geplatzt“, wird er später sagen, kommt aber dennoch in starken 7:51 Std. ins Ziel. Florian Vrecko und Nils Kessler beißen sich hinter der enteilten Favoritengruppe jedoch fest. Vrecko ist am Jaufenpass noch 18., verbessert sich nach der rutschigen Abfahrt nach St. Leonhard am Timmelsjoch auf Gesamt-Platz 12 und verteidigt diesen bis ins Ziel. Zwei Plätze dahinter kommt Nils Kessler über den Zielstrich in Sölden, auch er steigert sich kontinuierlich während des Rennens. Das starke Teamergebnis rundet Christian Thomas ab, der als A-Amateur zuletzt eher auf kurze Rundstrecken spezialisiert war. Der Düsseldorfer kommt in 8:02 Std. ins Ziel. Für Joscha Weber reicht es nach Sturz und mehrerer Defekt-Stopps noch zu einer Zeit von 8:31 Std. und kurz dahinter kommt völlig durchgefroren Florian Bauer ins Ziel (8:39 Std.).

Im Endergebnis bedeuteten die Zeiten Platz vier in der Teamwertung hinter union-sporthuette.at, Team corratec und dem DT Swiss Factory Team, elf Minuten fehlen zum Podium. „Die Holzmedaille ist immer undankbar. Aber bei diesen schwierigen Bedingungen können wir dennoch zufrieden sein mit den Leistungen unserer Fahrer“, sagt Teamchef Franco Adamo, auf dessen Team nun noch ein großes Saisonhighlight wartet: der Riderman im Schwarzwald (21.-23. September).

Ergebnisse Ötztaler Radmarathon (nach Altersklasse):

5. Florian Vrecko (7:25 Std.)

8. Nils Kessler (7:26 Std.)

39. Chris Mai (7:51 Std.)

58. Christian Thomas (8:02 Std.)

108. Joscha Weber (8:31 Std.)

128. Florian Bauer (8:39 Std.)

Über Florian Anders

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