Team-Strassacker-Schleiz-2017-Titel

Nils Kessler siegt am Schleizer Dreieck

Endlich hat es geklappt: Als einer der stärksten Fahrer im GCC konnte Nils Kessler nun am Schleizer Dreieck seinen ersten Sieg feiern. Mit einer Attacke am vorletzten Anstieg setzte er sich ab und gewann als Solist. Leider war es dennoch kein guter Tag für das Team Strassacker: Durch eine Zeitstrafe für mehrere Strassackerfahrer verlor die Mannschaft den auf der Straße errungenen Sieg in der Teamwertung per Juryentscheid.

Auf der Zielgeraden hatte Nils Kessler Zeit. Ein letzter Blick nach hinten, doch da kam niemand. Er richtete sich auf und streckte die Arme in den wolkenverhangenen Himmel über dem thüringischen Schleiz und jubelte – für ihn typisch – eher verhalten mit Understatement. Dabei war dies sein erster Sieg im German Cycling Cup überhaupt. Trotz vieler starker Leistungen, insbesondere bei schweren Rennen, reichte es noch nie für Platz 1 bei Kessler. Der Solosieg in Schleiz war somit mehr als verdient. Da dahinter Kai Miebach (2.), Denis Holsinger (9.) und Hanno Rieping (10.) weitere Topplätze belegten, schien auch der Sieg in der Teamwertung eine klare Sache – bis die Rennjury das Ergebnis zu unserem Bedauern änderte. Doch dazu später mehr.

Gleich zu Beginn des Rennens trat Strassacker in Aktion. Auf dem welligen und mit knapp 1800 Höhenmetern sehr anspruchsvollen Kurs rund um Schleiz war klar: Hier würde kein großes Feld ankommen. Mit konsequenter Tempoarbeit verkleinerten Benjamin Albers und Jan-Christoph Münch das Feld nach einer Runde auf rund 60 Fahrer. An der Spitze hatte sich ein Führungstrio abgesetzt: Christian Müller (SC Hoyerswerda), Tom Walther (Merkur) und Chris Mai. Der Student aus Hessen ging die Attacke wie geplant als „Aufpasser“ mit und blieb gemeinsam mit seinen Fluchtgefährten knapp 40 Kilometer an der Spitze des Rennens.

Doch auf der zweiten Runde ging ein Ruck durch das Feld: Auf einer ansteigenden Straße vor der Ortschaft Pahren bildete sich bei auffrischendem Wind eine Windkantensituation, bei der das Feld in viele Teile zerfiel – und die Ausreißer eingeholt wurden. Da ein weiterer Vorstoß u.a. von einem Strassacker-Quintett nichts einbrachte, bildete sich eine rund 25-köpfige Spitzengruppe. Die Karten wurden also neu gemischt.

Zu Beginn der dritten Runde forcierte Holger Koopmann das Tempo und verkleinerte die Kopfgruppe damit. Es folgten bei weiter kräftigem Wind mehrere Attacken, die jedoch wieder neutralisiert wurden. Rund 25 Kilometer vor dem Ziel klappte es dann aber doch: Da sich insbesondere die beiden größten Rivalen um den GCC-Gesamtsieg, Daniel Knyss (Merkur) und Hanno Rieping, belauerten, konnte sich nur eine Gruppe ohne die beiden lösen. Mit dabei aber ein Trio der Kunstgießerei-Équipe: Kai Miebach, Denis Holsinger und Nils Kessler. Am vorletzten Anstieg in Schleiz hinauf zum Motorsportkurs schüttelte Kessler alle Verfolger mit einem trockenen Antritt ab und gewann souverän.

Dahinter konnte sich auch Kai Miebach im Anstieg lösen und fuhr ebenfalls als Solist auf Platz zwei ins Ziel, dicht gefolgt von dem Drittplatzierten Benjamin Ahrendt (Merkur). Ein Doppelsieg für Strassacker – bis die Jury plötzlich anders entschied: Insgesamt vier Strassacker-Fahrer wurden wegen falsch angebrachter Startnummern mit einer zwei minütigen Zeitstrafe belegt und der Sieg in der Teamwertung war plötzlich futsch. Leider nutzte die Jury ihren nach GCC-Reglement vorgesehenen Ermessensspielraum, der auch eine Verwarnung vorsieht, nicht und bestrafte die Mannschaft sehr hart. „Wir bedauern die nicht verhältnismäßige, harte Entscheidung der Jury sehr, denn sie hat uns den Doppelsieg in der Mannschafts- und Einzelwertung gekostet. Die Verantwortlichen in Schleiz, haben nicht das notwendige Fingerspitzengefühl für die Gesamtsituation der GCC-Serie mitberücksichtigt, obwohl Sie von allen, die davon betroffen waren, die Endzeiten sowie diverse Zieleinlauffotos und -videos hatten und eine korrekte Ergebniserstellung, bei der insgesamt überschaubaren Teilnehmerzahl, ohne Aufwand möglich gewesen wäre“, sagte Teammanager Franco Adamo im Ziel. Dass dazu, wie sonst bei allen GCC-Rennen üblich, weder der Gesamtsieger des Rennens noch die führende Mannschaft im German Cycling Cup geehrt wurden, war ein zusätzliches Ärgernis. Diverse kritische Situationen im Rennen (Autos und Traktoren im Rennen, Sand auf der Fahrbahn, eine teilweise sehr enge und nicht ungefährliche Strecke) kamen da noch hinzu.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Hanno Rieping mit seinem 10. Platz einen Punkt im Kampf um das Gelbe GCC-Trikot gut machen konnte und weiter hinter Daniel Knyss auf Rang zwei liegt, direkt vor Teamkollege Kai Miebach. Das Team schaut nun nach vorne und versucht, sich auf das nächste Rennen am Nürburgring zu konzentrieren. Auf eine Nennung der geänderten Ergebnisse von Schleiz wollen wir an dieser Stelle aus verständlichen Gründen verzichten.

Bericht: Joscha Weber, Holger Koopmann

Team-Strassacker-Schleiz-2017-01

Team-Strassacker-Schleiz-2017-05

Team-Strassacker-Schleiz-2017-Titel

 

Team-Strassacker-Schleiz-2017-10

Team-Strassacker-Schleiz-2017-02

Über Piero Adamo

Lesenswert

Rad-am-Ring-2017-Team-Strassacker-03

Nürburgring 2017 – Hanno Rieping rückt Gelb näher

Dort, wo Rudi Altig 1966 zum Weltmeistertitel fuhr, hat sich ein moderner Radklassiker entwickelt: Rad …

Wir freuen uns über Deinen Kommentar zu diesem Artikel: