Huerth_2012

Komet von Hürth: Mit Vollgas in die Winterpause

Die hatte bei mir eigentlich schon am letzten Wochenende, nach den anstrengenden Rennen beim RiderMan, begonnen. Der Kopf war durch und unter der Woche hatte ich ein paar freie Tage hauptsächlich mit schlafen, schlafen und … richtig – schlafen – verbracht. Doch vor ein paar Wochen hatten mich Thomas Krecken und Philippe Deckers gefragt, ob wir nicht zum Saisonabschluss beim kleinen, aber feinen, Jedermannrennen in Hürth Gleuel, direkt vor den Toren Kölns starten wollen. Philippe hatte es dort vor 2 Jahren schon einmal aufs Treppchen geschafft. Platz 2 hinter Ex-Profi Ralf Grabsch war und ist aller Ehren wert.

Ich selbst hatte in den letzten beiden Jahren nie dort starten können. Dieses Jahr passte es und so ließ ich mich überreden – vorausgesetzt das Wetter stimmte. Das gab sich in den Tagen vor dem Rennen jedoch alle Mühe uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es regnete tagaus, tagein. Doch die Vorhersage für den Sonntag sah dann wieder gut aus und so packte ich am späten Vormittag meine Sachen und auf ging es nach Hürth.

Thomas Krecken hatte leider kurzfristig absagen müssen und so standen Philippe und ich, in einem wirklich erstklassig besetzten Rennen, als Duo am Start. Neben Lokalmatador Ralf Grabsch vom ausrichtenden Verein Schmitter-Gleuel, waren da der frischgebackene Deutsche AK-Meister und GCC-Gesamtzweite Daniel Knyss, Florian Walden vom Team Sonosan-Multipower, Ingo Behrendt vom Team Drinkuth, nebst jeder Menge Mannschaftskameraden für die das hier ebenfalls ein Heimrennen war und, zu guter Letzt und überraschenderweise, Christian Müller von Team Univega. Der hatte die Zeit nach dem Münsterlandgiro für einen Köln-Aufenthalt genutzt und stand hier auf Einladung vom Team Glasservice Weber, mit denen er in diesem Jahr an einem 24 h-Rennen teilgenommen hatte. Damit war klar, dass das hier ein ziemlich hartes Rennen werden würde.

Philippe und ich hatten uns vor dem Rennen kurz abgesprochen und wollten schauen, ob eine Attacke zur richtigen Zeit erfolgversprechend sein könnte. Zu fahren waren 22 Runden á 1,4 km mit einer Gesamtlänge von 30,8 km. Hörte sich zunächst nicht so schwer an, doch in jeder Runde galt es 15 nicht zu unterschätzende Höhenmeter zu überwinden. Diese konzentrierten sich auf einen knackigen Anstieg, der zum Scharfrichter des Rennens werden sollte. Mit insgesamt 300 hm war das Höhenprofil, auf Streckenlänge umgerechnet, fast schon dem bei den RiderMan-Etappen gleichzusetzen. Und die hatten es bekanntermaßen in sich. Hier folgten die Steigungen natürlich in viel kürzerer Abfolge, aber gerade diese kurzen, knackigen nicht endenden wollenden Anstiege, zogen den meisten Fahrern den Zahn.

Nach dem Startschuss fand ich mich direkt an der Spitze des ca. 40 Fahrer starken Feldes wieder und ging diese erste Runde recht schnell an um das Feld gleich zu Beginn auszudünnen. Das hatte dann aber doch mehr Kraft gekostet als gewollt und der ersten Attacke von Daniel Knyss in der Anfahrt zur 3. Überfahrt des Anstiegs konnte ich nicht folgen. Doch Daniel hatte es nur auf die Prämie in der nächsten Runde abgesehen und ließ sich wieder ins Feld zurückfallen. Philippe hatte eine gute Position im vorderen Feld gefunden, ich war irgendwie noch nicht im Rennen und musste aufpassen nicht den Anschluss zu verlieren. Ca. 2 Runden später attackierte dann Ralf Grabsch auf der Zielgeraden. Er wollte eine kleine Gruppe initiieren, wie er nach dem Rennen sagte, führte jedoch die rennentscheidende Situation herbei.

Kurz vor dem Anstieg war mir klar das Daniel Knyss jetzt versuchen würde die Lücke zu schließen. Ich überlegte kurz mitzugehen als er anzog, aber verwarf den Gedanken auch gleich wieder, denn es lief immer noch nicht. Ein paar Runden später hatten sich Grabsch und Knyss mit ca. 200 m Vorsprung abgesetzt. Dahinter fuhren weitere 6-8 Fahrer und versuchten den Vorsprung nicht größer werden zu lassen. Für die nächste Runde wurde dann eine Doppelprämie ausgelobt und ich kam auf die wahnwitzige Idee mir diese zu holen. Dies gelang auch und führte dazu das diese Tempoverschärfung unsere Gruppe weiter dezimierte. Wir waren jetzt nur noch zu viert, ich selbst wäre aber auch fast hopps gegangen und brauchte ein gefühlte Ewigkeit mich wieder zu erholen.

In unserer Gruppe, die neben mir noch aus Florian Walden, Christian Müller und Philippe bestand, der auch überwiegend das Tempo machte, lief es soweit ganz gut, aber ich musste schon ziemlich kämpfen um nicht hinten rauszufallen. Philippe präsentierte sich dagegen, wie schon in den letzten Rennen der Saison, enorm stark. Irgendwann schaute ich einmal aufs Tacho und sah erst 14 gefahrene Kilometer. Theoretisch standen uns also noch 12 Runden bevor. Auf der Anzeige stand jedoch eine „8“. Nanu? Rennen gekürzt? Es hatte keine Durchsagen gegeben. Mir sollte es nur recht sein, denn ich war wirklich am Limit. Philippe dagegen setzte vorne ein Attacke, der zunächst niemand folgte. Im nächsten Anstieg schloss Florian Walden dann die Lücke. Als starker Bergfahrer fiel ihm das leicht, doch anschließend konnte er Philippe nicht unterstützen, so dass Philippe 90% der Tempoarbeit übernahm.

Ich überließ Christian Müller die Nachführarbeit, denn schließlich war mein Teamkollege da vorne. So konnte ich mich langsam erholen, was jedoch gar nicht so einfach war, denn Philippe fuhr ein ordentlichen Stiefel und Christian Müller stand dem in nichts nach. Langsam näherten wir uns den Zweien und in einem unachtsamen Moment bei der Überrundung einer größeren Gruppe konnte Christian Müller, 1 ½ Runden vor Schluss, die Lücke schließen. Die letzte Überfahrt wurde nun sehr verhalten genommen und alle schauten sich an. Zwischen uns Vieren würde der letzte Podiumsplatz ausgemacht werden und das Team Strassacker hatte den taktischen Vorteil auf seiner Seite. In die vorletzte Kurve ging Christian Müller von vorne, dahinter folgten ich und Philippe, dahinter dann Florian Walden.

Bis zur letzten Kurve waren es 200 m, danach noch einmal gut 200 m bis ins Ziel. Christian Müller schaute kurz nach rechts und 300 m vor dem Ziel zog ich links vorbei. Durch die letzte Kurve, noch einmal hochschalten und Full Gas Richtung Ziellinie. Der dritte Platz war meiner und die Teamarbeit war gut aufgegangen. Zugegebenermaßen hatte ich recht leichtes Spiel, denn Christian Müller und Philippe hatten sich in den Runden zuvor ziemlich platt gefahren. Vor ihrer Leistung ziehe ich den Hut. Letztendlich hatten es zwei von vier verlorenen Runden wieder zurück ins Rennen geschafft. Nach 20 gefahrenen Runden und 29 km war das ein wirklich schnelles Rennen mit einem Schnitt von 41,3 km/h und 350 Watt Durchschnittsleistung.

Vorne hatten Ralf Grabsch und Daniel Knyss einsam ihre Kreise gezogen. Das war eine Klasse für sich und wir hatten keine Chance! Zum Schluss machte Grabsch dann aber noch einmal Ernst und verwies Daniel Knyss klar in die Schranken. Somit erkämpfte sich Ralf Grabsch den Sieg und auch den Titel des Hürther Stadtmeisters. Und ich freute mich über ein tolles Podium auf dem ich die Strassackerfarben neben einem Ex-Profi und einem aktuellen Deutschen Meister präsentieren durfte.

Jetzt kommt das Rennrad aber erst einmal in die Ecke und wird bis Mitte November nicht mehr angerührt. Die Winterpause hat begonnen!

Ergebnis:
Platz 1 – Ralf Grabsch
Platz 2 – Daniel Knyss
Platz 3 – Holger Koopmann
Platz 4 – Christian Müller
Platz 5 – Florian Walden
Platz 6 – Philippe Deckers

Autor: Holger Koopmann

Über HOLGER KOOPMANN

Aufnahmeleiter beim WDR in Köln und Teamfahrer beim Team Strassacker. Er belegte beim German Cycling Cup 2013 den 1ten Platz in der Master-1-Wertung und wurde somit Deutscher Jedermann-Meister 2013. In der Gesamtwertung beim GCC 2013 belegte er einen hervorragenden 3ten Platz. Neben seinen ehrgeizigen beruflichen und sportlichen Zielen schreibt er regelmäßig Berichte für diese Teamseite rund um das Team Strassacker und den Radsport.

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